Ev.-luth. Apostel-Kirchengemeinde in Gleichen

Wo heute Rittmarshausen liegt, stand angeblich in früherer Zeit nur das Haus des RITTMAR. Das Herzstück unseres Dorfes war schon früher unsere Kirche mit ihrem spitzen Dachreiter mitten auf dem First. Von allen Seiten war dieser Turm zu sehen. Die großen Sandsteinquarder im Untergrund  der Kirche stammen aus dem verlassenen Dorf Bernsrode wo einst eine Kapelle gestanden haben soll. Als die Menschen damals Bernsrode verlassen mußten, weil eine Überschwemmung die Brunnen verstopften und nach Rittmarshausen siedelten, nahmen die frommen Aussiedler ihre Kapelle mit. Stein für Stein wurde abgerissen und hier wieder aufgebaut. Anfangs war sie nur eine kleine der Jungfrau Maria geweihte Kapelle, in der zu Wallfahrtszeiten Messe gelesen wurde. Erst sei 1600 wurde jeden Sonntag Gottesdienst gehalten.
Auch wenn nach dem 30 jährigem Krieg in Rittmarshausen nur noch 24 haussitzende Personen gezählt wurden, so nahmen die Einwohner in den nächsten Jahrzehnten immer mehr zu, sodass um 1750 die Kapelle die Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen konnte. Auch der bauliche Zustand war recht schlecht. Man plante die alte Kapelle abzureißen und eine neue Kirche zu errichten. Die neue Kirche sollten im Stil und Aussehen dem Rittmarshäuser Schloss, das 1716 fertiggestellt wurde, entsprechen.

Die Witwe des 1720 verstorbenen Ernst August von Schlitz, gen. von Goertz, spendete 4550 Reichtstaler für den Bau, die Kirchengemeinde brachte 194 Taler auf. Der Bau ist im Barockstil mit großen Rundbogenfenstern errichtet worden. 1765 wurde das jetzige Gebäude erbaut. Im Sommer 1835 wurde die Kirche auf Antrag der Kirchenkommsissarien geschlossen. Das Dach war vernachlässigt, das Balkenwerk verfault. Auch der Turm hatte sich gesenkt. Im Jahr 1840 fand eine gründliche Ausbesserung statt.

Eine Besonderheit in unserer Kirche ist der wertvolle Kanzelaltar. Die Kanzel wird von beiden Seiten von je zwei Säulen eingefaßt. Flachreliefs von Marta und Maria zieren den Korb der Kanzel. .Marta fordert ihre Schwester Maria durch eine Handbewegung zur Mitarbeit auf. Maria hält in ihrer Rechten ihr Herz, das sie dem Heiland ganz übergeben hat. ( Lukasevangelium 10,38-42) Über dem Kanzeleingang sieht man ein verschlungenes Band als Sinnbild der Verbindung mit Gott. An den Enden des Bandes treten 4 Weintrauben und 3 Rosen hervor. Die vier Trauben kündigen von der Königsherrschaft Jesus Christi, sind aber auch ein Hinweis auf den Weinberg, Die drei Rosen weisen auf die Jungfrau Maria und die Dreieinigkeit, Fundament des christlichen Glaubens, hin. Ein viermal gebrochenes Gesims schließt diesen Teil des Altares oben wirkungsvoll ab.

Über der Mitte des Gesims steht der Auferstandene mit Kreuz und Siegesbanner auf einer Wolke Eine mit fünf Rosen besetzte Girlande umrahmt ihn. Der Auferstandene ist links durch Paulus mit dem Buch und rechts von Petrus mit dem zum Himmel weisenden Schlüssel umgeben. Darüber befindet sich ein Strahlenkranz, das Gottesauge. Das Dreieck gilt als Symbol der Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Links neben dem Altar sieht man König David mit der Harfe und rechts König Salomo mit Schwert und Buch. Die beiden Platten auf denen David und Salomo stehen und das Auge Gottes bilden die Ecken eines gleichseitigen Dreiecks. In dessen Mittelpunkt der Prediger auf der Kanzel stand.

Früher besaß unsere Kirche vier Türen, so dass die Kirche von allen Himmelsrichtungen zu erreichen war. Die umstrittenen Pritschen, in denen in den letzten 100 Jahren die Gutsherrschaft und der Kirchenvorstand saßen, sind in verkleinerten Form wieder aufgebaut worden, um die ursprüngliche Symmetrie des Altars zu erhalten.

In unserer Kirche gibt es heute drei Glocken. Vor 45 Jahren war dies nicht der Fall. Vor der Kirche stand nur ein kleiner Turm mit 2 Glocken. Ansonsten wurde der Turm zum Aufhänger der Feuerwehrschläuche genutzt. Erst nach speziellen Umbauarbeiten des Kirchturmes war es  möglich, ein neues bronzenes Dreiergeläut hoch zu hieven. Die große Glocke wurde von Geo Melander und seiner Frau Elisabeth, unserer damaligen Patronatin,  gespendet und trägt die Inschrift "Er ist unser Friede", die zweite Glocke wurde von den Einwohnern unseres Dorfes finanziert. Die Inschrift lautet

" Unseren Gefallenen". Auch die dritte Glocke, die Taufglocke, verdanken wir einem Dorfbewohner. Auf ihr steht" Gott segne unser Land".

Auch unsere Kirche blieb nicht von Bausünden verschont. So wurde der Altar mit weißer Farbe übertüncht. Erst bei umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 1971entdeckte der Restaurator das Kunstwerk erneut. Zwei Farbschichten mußten abgekratzt werden, um den Altar in seiner ursprünglichen Form zeigen zu können. Auch bei der Beleuchtung wurde wieder Wert auf den barocken Stil der Kirche gelegt. So hängen seit einigen Jahren drei Kronleuchter aus massivem Messingguss in der Kirche.

Die letzte große Baumaßnahme erfolgte 2015. Im ersten Bauabschnitt wurde das Dach neu gedeckt, der Turm und die Decke des Kirchenraumes instandgesetzt. Im zweiten Bauabschnitt wurden die Außenwände mit einem besonderen Putz versehen. Die Kirche erstrahlt nun wieder in ihrem ursprünglichen Zustand.

Aber nicht nur unsere Kirchengebäude haben sich verändert, sondern auch die Struktur der Kirchengemeinden. Die Parochie Kerstlingerode, zu der unsere Kirche gehörte, gibt es nicht mehr. Eine Großkirchengemeinde aus sechs Orten wurde gegründet. Wir nennen uns jetzt die Apostel-Kirchengemeinde in Gleichen. Zum neuen Kirchenvorstand, der am 3. Juni eingeführt worden ist, gehören Simone Dorenwendt, Erich Meister, Friederike Schwanke und Gabriele Tappe-Seufer.

Seit Januar 2018 hat der bisher ehrenamtliche Pastor Gerdes die Nachfolge von Pastor Schäfer angetreten.

Pastor Gerdes und Gabriele Tappe-Seufer (verfasst)

 

 

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